Mut
zur Initiative
Irmgard Kestner aus Osnabrück wird in das Frauen-Gedenk-Labyrinth
aufgenommen
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
"Das war schon eine
besondere Erfahrung, die muss ich erst mal in Ruhe verarbeiten.", so der
Kommentar von Hannelore Baethge, der langjährigen Leiterin der Ev. Familien-Bildungsstätte
e.V, als sie nach dem langen Gang durch das Labyrinth wieder bei ihren Osnabrücker
Begleiterinnen stand. Sie hatte als Patin die Aufgabe, mit dem Gedenkstein für
Irmgard Kestner das ganze Frauen-Gedenk-Labyrinth abzuschreiten und dann den
Stein ehrenvoll an seinem künftigen Platz abzulegen. Dreißig Frauen
hatten sich mit auf den Weg nach Hannover gemacht, um bei dieser besonderen
Ehrung von Irmgard Kestner, die vielen persönlich bekannt war, dabei zu
sein.
Was ist das Frauen-Gedenk-Labyrinth?
Die Idee zu diesem Kunstwerk hatte die Frankfurter Künstlerin Dagmar von
Garnier. Im Jahr 2000 fand vor der Alten Oper in Frankfurt das "Fest der
2000 Frauen" statt, bei dem 1000 Frauen der Gegenwart 1000 Frauen der Vergangenheit
ehrten und das Labyrinth eingeweiht wurde. Der Weg des Labyrinths umkreist die
Mitte mit sieben Umgängen. Er wird von 1000 Steinplatten gesäumt,
von denen jeder den Namen einer historisch bedeutsamen Frau tragen soll. Bisher
sind schon über 400 Platten graviert worden. Jeder dieser Steine trägt
den Namen einer historischen Frau, ihr Geburts- und Todesjahr sowie einen Begriff,
mit dem sich ihr Lebenswerk umschreiben läßt.
Unter diesen Angaben findet sich ein zweiter Name: Der Name der Frau, die sich
als Patin für den Gedenkstein zur Verfügung gestellt hat.
"Mut zur Initative" - diese Formulierung hat Hannelore Baethge, die
die Patenschaft für den Stein von Irmgard Kestner übernommen hat,
für die Gravur ausgewählt. Und in ihrer feierlichen Anprache zur Aufnahme
weist sie sehr deutlich auf das besondere Engagement von Irmgard Kestner hin:
Vom Wiederaufbau der Kindergärten in Osnabrück nach dem Krieg über
die Gründung des Sprengelheims Ostercappeln, der evangelischen Mütterschule
Osnabrück (heute Ev. Fabi) und des Vereins für heilpädagogische
Hilfe bis zum Vorsitz der Sprachheilkindergärten in Osnabrück und
Melle sind es viele Stationen, an denen Irmgard Kestner ihre Spuren hinterlassen
hat. Eindrücklich unterstützt wurde Frau Baethge in ihrer Darstellung
von Frau Hildegard Rudolph, die mit ihrem Seniorinnensingkreis ein ehemaliges
Lieblingslied von Frau Kestner ("Das will ich mir schreiben in Herz und
Sinn") intonierte.
Die wichtigsten "Initiativen" von Irmgard Kestner wurden am Labyrinth
außerdem auf bunten Plakaten verdeutlicht.
Neben Frau Kestner wurden am Sonntag noch zwei weitere Frauen (Elisabeth Coester,
Künstlerin und Ilse Schulz, Frauenforscherin) neu aufgenommen.
Für die Mitfahrerinnen aus Osnabrück war es spannend, im Frauen-Gedenk-Labyrinth
auch die anderen Steinplatten mit den Namen von Osnabrücker Frauen zu suchen:
Felka Platek, Elfriede Scholz, Agnes Schoeller und Elisabeth Siegel sind bereits
vertreten. Im Weiteren gaben auch die Namen von weiteren Geehrten Anlass zu
Diskussionen: "Warum hat denn Romy Schneider einen Stein bekommen?"
fragte so z.B. eine Besucherin. Im Frauen-Gedenk-Labyrinth ist eben die ganze
Bandbreite von weiblicher Leistung gewürdigt worden, und so liegen neben
Steinen von sehr bekannten Frauen aus Wissenschaft, Politik und Kultur auch
Steine von Frauen, deren besondere Taten nur einem kleinen Kreis bekannt waren.
Das Frauen-Gedenk-Labyrinth versteht die Initiatorin Dagmar von Garnier als
ein Kunstprojekt im Aufbruch: Es lädt jede Frau ein, es zu begleiten und
mitzugestalten. Wer das Labyrinth besuchen möchte, kann dies noch bis zum
6. Juni am Neustädter Kirchplatz in Hannover tun. Im September 2005 wird
es in Hannover zu sehen sein, und im Frühjahr 2006 in Wiesbaden.
Infos auch unter www.frauen-gedenk-labyrinth.de.